Wasserangst bei Kindern. Warum Warten keine Lösung ist
Ganz ehrlich: Kaum ein Thema verunsichert Eltern beim Schwimmenlernen so sehr wie die Wasserangst ihrer Kinder.
Dein Kind klammert sich an dich und will nicht ins Becken. Vielleicht weint es schon beim Umziehen und du stehst da und fühlst dich unsicher, ob du das Richtige machst. Soll ich es drängen? Soll ich warten? Mache ich gerade alles falsch?
Spoiler vorweg: Wasserangst ist normal. Wirklich. Aber, und das ist wichtig, sie ist kein Grund, das Thema Schwimmenlernen auf unbestimmte Zeit zu verschieben.
In diesem Artikel zeige ich dir, warum Wasserangst nichts Ungewöhnliches ist, was deinem Kind wirklich hilft und warum Abwarten oft genau das Gegenteil von dem bewirkt, was wir uns wünschen.
Wasserangst bei Kindern ist völlig normal
Kinder kommen nicht mit einem eingebauten Vertrauen ins Wasser auf die Welt. Je älter sie werden, umso mehr nehmen sie Wasser als Element wahr.
Wasser ist laut, kalt, glitschig und unberechenbar. Der Boden rutscht, Geräusche hallen, das Gesicht wird nass und plötzlich fehlt die Kontrolle.
Dass ein Kind darauf mit Unsicherheit oder Angst reagiert, ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein normaler Schutzmechanismus.
Wichtig ist nur, dass wir eines nicht verwechseln:
Angst ernst nehmen heißt nicht Angst entscheiden lassen.
Woher die Angst vorm Wasser überhaupt kommt
Oft suchen Eltern verzweifelt nach dem einen großen Auslöser. Die Wahrheit ist: Meist ist es eine Mischung aus Kleinigkeiten.
Typische Gründe sind:
- das Gefühl, keinen festen Boden unter den Füßen zu haben
- kaltes Wasser
- Wasser im Gesicht oder in den Augen
- laute Schwimmbäder
- ein Ausrutscher, ein Verschlucken, ein kurzer Schreckmoment
- das Beobachten anderer Kinder, die springen oder toben
Und manchmal gibt es gar keinen klaren Auslöser. Wasser ist einfach ungewohnt und man muss sich damit vertraut machen.
Das Entscheidende ist: Du hast nichts falsch gemacht.
Der größte Denkfehler: „Ich warte, bis mein Kind bereit ist“
Das klingt liebevoll, vernünftig und rücksichtsvoll.
So ist es bestimmt auch gemeint, nur in diesem Fall ist gut gemeint aber nicht gut gemacht.
Denn, das Vertrauen ins Wasser zu bekommen, entsteht nicht durchs Warten, sondern durch Erfahrung.
Ein Kind, das Angst vor Wasser hat, wird durch Vermeidung nicht mutiger. Im Gegenteil:
- Wasser bleibt fremd
- Die Unsicherheit bleibt bestehen
- Die Angst bekommt immer mehr Raum
Was wir Erwachsenen dabei nicht vergessen dürfen ist, dass Kinder Risiken nicht einschätzen können. Sie wissen noch gar nicht, wie lebenswichtig Schwimmen ist. Sie entscheiden aus dem Moment heraus, nicht aus Weitsicht.
Und genau deshalb liegt die Verantwortung bei uns.
Angst vorm Wasser bedeutet nicht: Stopp. Sondern: langsamer.
Ein Kind mit Wasserangst braucht keine Pause vom Wasser, sondern es braucht einen sicheren Rahmen im Wasser.
Was wirklich hilft:
- Nähe statt Abstand
- Mitmachen statt Zuschauen
- kleine Schritte statt großer Erwartungen
- Wiederholung statt Abwechslung
Das Ziel sollte nicht sein, Mut zu beweisen, sondern Vertrauen aufzubauen.

Was deinem Kind bei Wasserangst wirklich hilft
Ganz praktische und ganz alltagstaugliche Tipps:
Du gehst mit ins Wasser
Stell dich nicht an den Beckenrand und rufe: „Ich bin ja da“. Damit schaffst du kein Vertrauen!
Sei mit deinem Kind im Wasser, denn es braucht deinen Körper, deine Arme, deine Nähe und deine Ruhe!
Immer wieder die gleichen Abläufe
Gleicher Einstieg, gleicher Ablauf und gleiche Rituale.
Die Vorhersehbarkeit gibt deinem Kind die Sicherheit, die es braucht.
Kein Überraschungswasser
Nicht plötzlich nass machen, auf keinen Fall ungefragt mit Wasser übergießen. Kein „Ach komm, jetzt einmal untertauchen“.
Vertrauen ist der Schlüssel.
Spielen ohne Ziel
Planschen, gießen, schütten, Wellen machen. Freies Spielen im Wasser.
Dabei gibt es kein ‚Schwimmen oder Tauchen üben‘ und auch kein ‚Können-Müssen‘.
Auch die Badewanne zählt
Wassergewöhnung beginnt nicht erst im Schwimmbad, sie beginnt schon zu Hause.
Badewanne, Dusche, Waschbecken, ja, das ist alles Wassererfahrung.
Was du bitte lassen solltest
Auch wenn es gut gemeint ist:
- Druck („Jetzt stell dich nicht so an“)
- Bestechung („Wenn du reingehst, gibt’s ein Eis“)
- Vergleiche („Die anderen können das doch auch“)
- Mitleidsschleifen („Oh nein, du armes Ding“)
- Hilfsmittel, die Sicherheit vortäuschen
Besonders wichtig: Hilfsmittel wie Schwimmflügel, -Ringe oder -Westen nehmen deinem Kind nicht die Angst. Sobald sie wieder ‚weg‘ sind, sind die Ängste wieder da. Sie verhindern oft, dass echtes Vertrauen entsteht.
Deine Rolle als Elternteil
Du musst kein Schwimmlehrer sein, denn es geht erstmal um Vertrauen ins Element Wasser und da bist du der sichere Hafen.
Deine Aufgabe ist es, dein Kind zu führen, Entscheidungen zu treffen (heute gehen wir ins Schwimmbad) und du darfst deinem Kind etwas zumuten (wir gehen ins Wasser, aber wir spielen nur), geh nicht über seine Grenzen. Sei liebevoll, bewusst und ruhig. Du kennst dein Kind am besten, deshalb werdet ihr Schritt für Schritt und mit Geduld den Spaß im Wasser zusammen finden. Behalte dabei das Ziel im Auge:
Am Ende wird mein Kind die Angst vorm Wasser verlieren. Es wird schwimmen lernen und vor allem:
Es geht um Sicherheit.
Fazit: Wasserangst ist kein Problem. Vermeidung schon.
Wenn dein Kind Angst vor Wasser hat, ist das kein Drama und damit ist es auch nicht alleine.
Das Drama entsteht erst, wenn wir das Thema jahrelang umschiffen. Denn je länger man wartet, umso mehr Zeit hat die Angst, sich zu verfestigten
Vertrauen wächst nicht durch Warten, sondern durch gemeinsame Erfahrung. Jeder kleine Schritt, jeder lustige Planschmoment und jeder Spaß im Wasser zählt dabei.
Und irgendwann kommt der Moment, in dem dein Kind merkt:
„Ich kann das.“
Nicht, weil es musste, sondern weil es durfte. Und das wird dein Verdienst sein!






