Wie oft Kinder ins Wasser sollten – und warum Regelmäßigkeit Ängste abbaut
Ganz ehrlich, wer kennt sie nicht:
Die Frage, wie oft man mit seinem Kind ins Wasser gehen sollte, stellt sich fast jede Familie irgendwann. Und das ist selten eine entspannte Frage. Eher ist es so, dass zwischen Alltag, Zeitmangel und schlechtem Gewissen sich die leise Sorge entwickelt, ob man gerade zu wenig tut, oder vielleicht auch das Falsche.
Vielleicht kennst du das:
Einmal die Woche ins Schwimmbad gehen, klingt ja eigentlich machbar. Aber dann hörst du von anderen, die im Urlaub jeden Tag mit ihren Kindern im Pool sind, vormittags, nachmittags, und alles hört sich so völlig entspannt an und fragst dich, ob einmal in der Woche denn wirklich reicht?
Oder dein Kind ist vorsichtig und vielleicht sogar ängstlich im Wasser. Da kommt dann schnell der Gedanke: Sollte ich öfter gehen, damit es sich schneller gewöhnt?
Oder setze ich mein Kind damit unter Druck?
Genau hier möchte ich mit diesem Artikel ansetzen. Hier gibt es weder strenge Regeln, oder einen klaren Weg, der genauso gegangen werden muss. Aber es gibt Erfahrungen, die man weitergeben kann, denn das Rad muss ja nicht jedes Mal wieder neu erfunden werden.
Regelmäßigkeit ist der Schlüssel.
Und manchmal wirkt ein kurzer, intensiver Zeitraum wahre Wunder!
Warum einmal pro Woche oft völlig reicht
Viele Eltern denken beim Thema Schwimmenlernen automatisch an mehr.
Mehr Termine, mehr Übung, mehr Disziplin.
Aber Wassergewöhnung und Schwimmenlernen funktioniert da ganz anders als Vokabeln lernen oder Klavierstunden.
Das Wasser sollte in erster Linie auch kein Lerninhalt sein, sondern ein Erlebnis.
Und genau deshalb braucht es vor allem eines: Regelmäßigkeit.
Ein fester Schwimmbadtag pro Woche, am besten immer derselbe und immer wieder, also wirklich regelmäßig, gibt deinem Kind etwas sehr Wichtiges: Verlässlichkeit.
Es weiß, was kommt, wo es hingeht und es weiß vor allem: Das schaffe ich. Denn das war ja die anderen male auch so. Die Wiederholungen sollen dafür sorgen, dass das Wasser nicht jedes Mal neu bewertet werden muss, sondern vertraut ist.
Nicht neu „gefährlich“.
Nicht neu „komisch“.
Nicht neu „anstrengend“.
Auch wenn ihr in dieser einen Stunde „nur“ spielt, planscht, rutscht, taucht und lacht das alles zählt, du willst deinem Kind ja Vertrauen geben, das ist nichts anderes als Wassergewöhnung.
Kindern kann man das Vertrauen ins Wasser nicht erklären, sondern sie müssen durch Erfahrung immer wieder merken, dass nichts Schlimmes passiert.
Sie sollen merken, dass du da bist und sie gehalten werden und dass sie sich ausprobieren dürfen. Sie müssen die Sicherheit im Wasser erfahren.
Einmal pro Woche bedeutet dabei:
- kein Überfordern
- Routine und kein ständiges „Wir müssten mal wieder …“
- kein schlechtes Gewissen, wenn mal ein Termin ausfällt
Dranbleiben ist dabei viel wichtiger als Durchziehen.
Und hier kommt der Gedanke, der vieles leichter macht:
Routine schlägt Motivation.
Motivation schwankt.
Nach stressigen Tagen, bei schlechtem Wetter, nach schlaflosen Nächten.
Routine bleibt.
Wenn der Schwimmbadbesuch einfach dazugehört, so wie Zähneputzen oder Vorlesen, dann wird er gar nicht erst diskutiert, sondern er wird gelebt.

Warum es auch mal sinnvoll ist, täglich ins Wasser zu gehen
So wertvoll eine feste Wasser-Routine ist, gibt es auch Phasen, in denen mehr Nähe zum Wasser unglaublich viel bewirken kann.
Nicht dauerhaft und für immer (wer soll das denn schaffen)
Wenn man es aber für einen begrenzten Zeitraum einbauen kann, kann es manchmal kleine Wunder bewirken.
Zum Beispiel:
- in den Sommerferien
- im Urlaub mit Pool
- oder als bewusstes kleines Projekt, z. B. für 7 Tage.
Der große und entscheidende Unterschied ist dabei, dein Kind hat in dieser Zeit keine Pause vom Wasser.
Viele Ängste entstehen nicht in der Zeit, in der ihr im Wasser seid, sondern dazwischen.
In den Tagen, in denen das Erlebnis wieder etwas verblasst, können Unsicherheiten wachsen und das nächste Mal wird wieder neu bewertet.
Geht ihr jedoch täglich ins Wasser, passiert etwas Spannendes:
- das Wasser bleibt vertraut
- der Körper erinnert sich
- Erfolge bauen direkt aufeinander auf
Gerade vorsichtige oder ängstliche Kinder profitieren enorm davon.
Sie haben einfach keine Zeit, die Angst wieder aufzubauen. Man sieht sehr schnell, dass die Kinder mutiger werden und sich neuen Herausforderungen stellen.
Und nein, wir wollen kein Techniktraining oder Leistungsdruck, wir sind ja noch bei der Wassergewöhung, oder den ersten Schwimmbewegungen und nicht im Trainingscamp für Leistungsschwimmer.
Uns reichen:
- 30 bis 60 Minuten täglich
- ruhige Zeiten (am besten vormittags, wenn es leerer ist)
- bekannte Abläufe
- spielerische Wiederholungen
Im Urlaub sieht das oft ganz selbstverständlich so aus:
Vormittags kurz in den Pool.
Nachmittags nochmal planschen.
Hier kann man super ein paar Spiele zur Wassergewöhnung einbauen.

Warum Ferien, Urlaub und kleine Wasser-Projekte so gut funktionieren
Ferien und Urlaub haben einen großen Vorteil, den wir im Alltag oft unterschätzen: Wir haben Zeit, ohne Taktung und sind entspannter.
Kein schneller Wechsel von Schule, Kita und Terminen und kein Blick auf die Uhr und drängeln weil wir gleich los müssen. Entspannt klappt es doch meistens gleich besser. Auch die Kinder merken, wenn es nicht drängt. Sie sind automatisch auch entspannter und vielleicht auch neugieriger und mutiger.
Ein Urlaub mit Pool oder Badesee ist deshalb ein echter Luxus fürs Schwimmenlernen, manchmal sogar ein richtiger Türöffner.
Einfach weil das Wasser immer verfügbar ist.
Mal kurz rein.
Mal nur mit den Füßen.
Mal fünf Minuten, mal eine halbe Stunde.
Diese scheinbar beiläufigen Kontakte sind Gold wert.
Denn sie nehmen dem Wasser das Besondere und damit auch das Bedrohliche.
Viele von uns sind doch so aufgewachsen:
Es gab noch viele Freibäder. Bei uns war diese Wassergewöhnung gar kein großes Thema. Als wir klein waren, sind unsere Mütter in den Ferien fast täglich mit uns im Freibad gewesen. Es gab große Nichtschwimmer-Bereiche, wie gerne waren wir dort und haben da gespielt! Ganz nebenbei haben unsere Eltern und dort auch die ersten Schwimmzüge beigebracht, ließen uns durch die Beine tauchen (Brücken) und nach Tauchringen. Irgendwann kam der Bademeister und fragte, wer denn schon soweit wäre und sein ‚Bronze-Abzeichen‘ abnehmen lassen wolle. Manche haben es dann geschafft, andere mussten noch ein paar Stunden bei ihm nehmen. Aber das wichtige an der Zeit: Wir hatten fast täglich Wasserkontakt und waren vertraut. Auch heute kann man noch sehen, dass in Orten, in denen es viele Schwimmbäder (und besonders Freibäder) gibt, ein höherer Prozentsatz an Kindern schwimmen kann.
Unsere Eltern hatten da sicher kein Konzept, sondern Wasser war einfach Teil des Alltags.
Mehr Sicherheit im Wasser bedeutet nicht weniger Aufsicht
Es gibt einen Moment, den viele Eltern kennen.
Dein Kind bewegt sich plötzlich selbstverständlicher im Wasser.
Es geht weiter vom Rand weg.
Es probiert mehr aus.
Dein Kind fühlt sich sicherer und das ist wunderbar.
Aber Achtung!:
Je sicherer sich ein Kind fühlt, desto mutiger wird es.
Und genau deshalb braucht es mehr Aufmerksamkeit, nicht weniger.
Ein häufiger Denkfehler:
- „Es ist ja nur das Kinderbecken.“
- „Der Bademeister passt schon auf.“
- „Mein Kind war doch schon oft im Wasser.“
Bitte merke dir:
Aufsicht lässt sich nicht delegieren.
Nicht an andere Eltern.
Nicht an Geschwister.
Und auch nicht an den Bademeister.
Gerade in Phasen, in denen Kinder große Entwicklungsschritte machen, ist deine Nähe entscheidend.
Ein weiterer wichtiger Punkt:
Das Seepferdchen-Abzeichen ist ja ein erstes Ziel auf dem Weg des Schwimmen lernen. ABER: Es bedeutet nicht, dass ein Kind sicher schwimmen kann.
Es ist ein erster Schritt. Nicht mehr und auch nicht weniger.
Erst mit dem Erwerb des Bronze-Abzeichen kann man von einer grundlegenden Schwimmsicherheit sprechen.
Und auch dann gilt: Unterschätze die Gefahren im Wasser nicht. Dein Kind denkt, es ist jetzt ein sicherer Schwimmer und kann sich leicht überschätzen. Einmal quer über den See zu schwimmen ist vielleicht doch weiter und kostet mehr Kraft, als es denkt. Der Schwimmponton kurz vorm Strand ist vielleicht doch schwieriger zu erreichen, wenn ein paar Wellen kommen.
Bitte beobachtet eure Kinder im Wasser und lasst sie nie aus den Augen!
Das gilt im Schwimmbad genauso wie:
- am See
- im Urlaub
- im Gartenpool
- im Planschbecken
Wasser bleibt Wasser.
Und Kinder bleiben Kinder.
Fazit: Es geht nicht um ‚oft genug‘, sondern um dranbleiben
Die Frage, wie oft du mit deinem Kind ins Wasser gehen solltest, lässt sich nicht mit einer festen Zahl beantworten, sondern eher mit einer Haltung.
Einmal pro Woche kann eine wunderbare Basis sein.
Und manchmal kann ein kurzer, intensiver Zeitraum von z. B. 7 Tagen unglaublich viel bewirken.
Nicht durch Druck, sondern durch kontinuierliche Wiederholung.
Wassergewöhnung und Schwimmenlernen brauchen Routine, Nähe und Zeit. Und natürlich die Motivation der Eltern, ihre Kinder dabei zu unterstützen.
Wenn du regelmäßig mit deinem Kind ins Wasser gehst, gibst du ihm etwas sehr Wertvolles:
die Chance, sich sicher zu fühlen mit deiner Begleitung und in seinem eigenen Tempo.
Ausblick: Sicherheit im Wasser und warum Aufsicht nicht verhandelbar ist
Mit wachsender Sicherheit kommt mehr Mut.
Und mit mehr Mut wächst auch die Verantwortung.
Im nächsten Artikel schauen wir uns deshalb ganz genau an,
- warum Aufsicht im Wasser nicht abgegeben werden kann
- weshalb das Seepferdchen nur ein Anfang ist
- und wie du dein Kind im Schwimmbad, am See, im Urlaub und im Gartenpool sicher begleitest
Ohne Angst und mit klarem Blick






